Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre: Ein Lipödem beginnt oder verändert sich häufig in Lebensphasen, in denen sich der Hormonhaushalt umstellt. Die Wechseljahre sind die letzte dieser Phasen und sie bringen ihre ganz eigenen Fragen mit.
Viele Betroffene merken in ihren 40ern oder 50ern, dass sich etwas tut: Die Beine spannen schneller und Beschwerden, die lange stabil waren, sind wieder deutlicher spürbar.
Liegt das an den Wechseljahren, am Lipödem oder an beidem? Und was können Sie jetzt tun? Der Welt-Menopause-Tag am 18. Oktober ist ein guter Anlass, diesen Fragen nachzugehen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Rolle Hormone beim Lipödem spielen, was sich in den Wechseljahren verändern kann und was Sie selbst in der Hand haben. Und auch, wo die Forschung noch keine klaren Antworten hat.
Lipödem und Hormone: Welche Rolle spielt Östrogen?
Lipödem betrifft fast ausschließlich Frauen. Schon das deutet darauf hin, dass Hormone beteiligt sind. Die aktuelle S2k-Leitlinie beschreibt, dass das Lipödem typischerweise in hormonellen Umbruchsphasen beginnt oder fortschreitet: in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
Wie es rund um eine Schwangerschaft aussieht, lesen Sie in unserem Artikel "Lipödem und Kinderwunsch".
Vermutet wird, dass dabei vor allem Östrogen eine Rolle spielt. Wie genau Hormone und Lipödem zusammenhängen, ist allerdings noch nicht geklärt.
Wechseljahre und Menopause: Was im Körper passiert
In den Wechseljahren sinken Östrogen und Progesteron. Das verändert bei vielen Frauen die Fettverteilung, unabhängig vom Lipödem: Fett lagert sich häufiger am Bauch an. Gleichzeitig nimmt mit dem Alter oft die Muskelmasse ab und der Energiebedarf sinkt.
Für Frauen mit Lipödem kommen diese Veränderungen zu einer bestehenden Erkrankung hinzu. Deshalb ist es nicht immer leicht zu unterscheiden, was am Lipödem liegt und was an den Wechseljahren.
Lipödem in der Perimenopause: Veränderungen ab 40
Die Wechseljahre beginnen nicht von heute auf morgen. Schon einige Jahre vor der letzten Regelblutung, in der sogenannten Perimenopause, schwanken die Hormone deutlich. Viele Frauen bemerken erste Veränderungen deshalb bereits in den 40ern - zum Beispiel einen unregelmäßigen Zyklus, schlechteren Schlaf oder Hitzewallungen.
Ob und wie sich das Lipödem in dieser Phase verändert, ist individuell und wissenschaftlich bisher wenig untersucht. Wichtig ist insbesondere: Wenn Sie in dieser Zeit Veränderungen an Beinen oder Armen bemerken, müssen Sie nicht abwarten, sondern können sie jederzeit ärztlich abklären lassen.
♡ So geht es auch unserer Lipödem Heldin Lyn (47): „Ich bin mitten in der Perimenopause. Seit ungefähr zwei Jahren merke ich, dass sich hormonell so einiges verändert.“
Bei ihr kamen vor allem typische Wechseljahres-Begleiter dazu: nächtliches Schwitzen, stundenlanges Wachliegen und Herzrasen.
Kann sich ein Lipödem in den Wechseljahren verschlimmern?
Das kann passieren. Weil die Wechseljahre als typische Phase für das Fortschreiten gelten, bemerken manche Frauen jetzt mehr Umfang, ein stärkeres Spannungs- oder Schweregefühl oder mehr Druckschmerz. Bei anderen bleibt es, wie es war, so wie bei Lyn, deren Beschwerden bisher stabil geblieben sind. Eine verlässliche Vorhersage für den Einzelfall gibt es nicht.
Lipödem-Diagnose erst in den Wechseljahren: Woran liegt das?
Manche Frauen erhalten ihre Diagnose erst in dieser Lebensphase. Teils, weil sich das Lipödem jetzt erst deutlich zeigt, teils, weil Beschwerden vorher anders eingeordnet wurden. Auch Lyn hatte einen langen Weg bis zur Diagnose, ihre Beschwerden wurden lange auf andere Ursachen geschoben.
Wenn Sie einen Verdacht haben, lohnt sich der Weg in eine Praxis, die sich mit Lipödem auskennt. Notieren Sie vorher, welche Beschwerden Sie seit wann bemerken. Das erleichtert die Einordnung im Gespräch.
Lipödem oder Gewichtszunahme in den Wechseljahren? So unterscheiden Sie
Einige Merkmale sprechen eher für ein Lipödem:
- Die Fettverteilung ist symmetrisch an Beinen und/oder Armen, Hände und Füße sind meist ausgespart
- Das Gewebe ist druck- oder berührungsempfindlich
- Es bilden sich leicht blaue Flecken
- Die betroffenen Bereiche reagieren kaum auf Ernährungsumstellung und Sport
Eine Gewichtszunahme in den Wechseljahren zeigt sich dagegen häufiger am Bauch. Eine sichere Einordnung ist nur ärztlich möglich, etwa in einer phlebologischen oder lymphologischen Praxis.

Mehr zu den Unterschieden lesen Sie in unserem Artikel "Lipödem klar abgrenzen: Unterschiede zu Lymphödem und Adipositas".
Dass diese Einordnung nicht immer leicht fällt, kennt auch Lyn: „Das fällt mir tatsächlich schwer, da eine klare Trennlinie zu ziehen, da sich Lipödem-Symptome und hormonelle Umstellungen oft überschneiden.“
Lipödem in den Wechseljahren: Was Ihnen helfen kann
Nicht alles, was in den Wechseljahren passiert, lässt sich beeinflussen. An einigen Stellschrauben können Sie aber selbst drehen: Bewegung, Ernährung und gut sitzende Kompression gehören dazu, genauso wie ein ruhiger Blick auf Veränderungen und eine ärztliche Begleitung, die Sie ernst nimmt.
Nicht jede Maßnahme passt für jede Frau gleich gut. Nehmen Sie sich heraus, was zu Ihnen und Ihrem Alltag passt.
Bewegung und Krafttraining in den Wechseljahren
Bewegung kann helfen, Muskelmasse zu erhalten und den Lymphfluss zu unterstützen. Gerade Krafttraining gewinnt jetzt an Bedeutung, solange es zu Ihrem Alltag und Ihren Beschwerden passt.
Tipps dazu finden Sie in unserem Artikel "Krafttraining bei Lipödem".
Lyn läuft zweimal und schwimmt dreimal pro Woche, daran hat sich nicht geändert: „Ich merke deutlich, wie gut mir die Bewegung tut, vor allem im Hinblick auf eine bessere Schlafqualität.“
Ernährung bei Lipödem: ohne Diätdruck
Das Lipödem-Fett lässt sich durch Diäten kaum beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung kann aber helfen, zusätzliche Gewichtszunahme zu begrenzen und sich insgesamt wohler zu fühlen. Strenge Verbote braucht es dafür nicht.
Lyn hat in den Wechseljahren vor allem ihren Blick aufs Essen verändert: Sie isst bewusster Kohlenhydrate, um für ihr Training genug Energie zu haben. Auf Alkohol verzichtet sie inzwischen ganz, weil ihr selbst ein Glas Wein nicht mehr guttut.
Kompression bei Lipödem im Alltag
Viele Betroffene empfinden Kompression als entlastend. Laut Leitlinie lindert sie die Beschwerden, das Fettgewebe selbst reduziert sie nicht. Welche Versorgung passt, klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Fachhandel. Für den Einstieg helfen unsere Tipps für die Eingewöhnung.
Wir haben dazu verschiedene Leggings im Sortiment: Die ACTIVE leggings sind medizinische Kompressionsleggings mit fester Kompression, gedacht für Alltag, Sport und Reisen. Die FLOW leggings arbeiten mit sanfter Kompression und einer 3D-Struktur im Material, die beim Tragen eine leichte Massage auf die Haut ausübt.
Lyn trägt ihre Kompression nach Bedarf, beim Laufen inzwischen öfter: „Es tut den Beinen Beim Sport einfach unglaublich gut.“
Wann Sie Ihre Kompression neu anpassen lassen sollten
Wenn sich Umfang oder Gewebe verändern, sitzt eine Versorgung, die früher gut gepasst hat, unter Umständen nicht mehr optimal. Rutscht sie, drückt sie an einzelnen Stellen oder wirft Falten, lohnt es sich, die eigenen Maße neu zu nehmen.
Kompression und Hitzewallungen: Tipps für den Alltag
Hitzewallungen und Kompression vertragen sich nicht immer gut.
Das kann helfen:
- Ziehen Sie die Kompression morgens an, solange die Haut noch kühl und trocken ist.
- Setzen Sie bei der übrigen Kleidung auf den Zwiebellook.
- Achten Sie auf Materialien, die sich für Sie angenehm anfühlen.
Auch die Hitzewallungen selbst müssen Sie nicht einfach aushalten: Gynäkologisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie zu lindern.
Beobachten statt grübeln
Wenn sich am eigenen Körper etwas verändert, ist der erste Impuls oft Sorge. Hilfreicher ist ein ruhiger Blick auf das, was tatsächlich passiert:
- Notieren Sie Beschwerden wie Schwere, Spannung oder Druckschmerz, zum Beispiel einmal pro Woche.
- Halten Sie fest, was die Beschwerden verstärkt oder lindert, etwa Wärme, langes Sitzen, Bewegung oder Kompression.
- Machen Sie bei Bedarf Fotos, immer im gleichen Licht und aus der gleichen Perspektive.
- Sammeln Sie Fragen für Ihren nächsten Arzttermin. So haben Sie im Gespräch eine gute Grundlage.
♡ Lyns Tipp: „Beobachte deinen Körper genau und nimm regelmäßig deine Maße, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.“
Ärztliche Begleitung und Hormontherapie
Sprechen Sie Veränderungen offen an, sowohl in der Lipödem-Behandlung als auch gynäkologisch. Ob und wie eine Hormontherapie das Lipödem beeinflusst, ist nicht abschließend geklärt. Diese Entscheidung gehört in ein ärztliches Gespräch.
Dass sich Hartnäckigkeit lohnen kann, hat Lyn selbst erlebt. Ihre Gynäkologin hielt sie mit 47 zunächst für zu jung dafür. Das Blutbild war unauffällig, „aber das ist eben immer nur eine Momentaufnahme. Meine Beschwerden sprachen eine andere Sprache.“ Erst nach zwei Jahren bekam sie eine Hormontherapie, mit der es ihr heute deutlich besser geht.
Ihr Rat an andere Frauen: „Sprich das Thema beim Arzt an und lass dich nicht abwimmeln. Viel zu oft werden wir Frauen mit dem Spruch ,Das ist in Ihrem Alter eben normal‘ abgespeist.“
Erfahrungsbericht: Lipödem und Wechseljahre im Alltag
Lyn ist 47 und gehört zu unseren Lipödem Heldinnen. Bis zu ihrer Lipödem-Diagnose war es ein langer Weg, danach folgten mehrere Liposuktionen und zuletzt eine Bauchdeckenstraffung. Mehr darüber lesen Sie in Lyns Geschichte und in ihrem Erfahrungsbericht zur Bauchdeckenstraffung. Heute steckt sie mitten in der Perimenopause.
Was sich verändert hat: An ihren Lipödem-Beschwerden hat sich durch die Perimenopause nichts verändert. Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Schweregefühl sind stabil geblieben, was sie auch auf ihre bisherigen Liposuktionen zurückführt.
An den Außenseiten der Beine hat sie seit der ersten OP allerdings wieder etwa sieben Zentimeter zugelegt. Ob das hormonell bedingt ist oder an Muskelaufbau und Narbengewebe liegt, lässt sich für sie nicht sicher sagen.
♡ Ihr Blick zurück: Lyn persönlich würde eine Liposuktion eher vor den Wechseljahren angehen. Das ist ihre eigene Einschätzung, keine medizinische Empfehlung. Ob und wann eine Liposuktion für Sie infrage kommt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.
♡ Ihre Haltung: „Große emotionale Wellen schlägt das Thema bei mir eigentlich nicht, ich nehme es eher pragmatisch.“
Fazit: Gut für sich sorgen, auch in den Wechseljahren
Die Wechseljahre können beim Lipödem einiges in Bewegung bringen, müssen es aber nicht. Wechseljahre und Lipödem bedeuten zwei Veränderungen gleichzeitig und es ist völlig nachvollziehbar, wenn das am eigenen Körpergefühl rüttelt.
Gehen Sie deshalb freundlich mit sich um. Wer Veränderungen ernst nimmt, sie abklären lässt und auf Bewegung, eine Ernährung ohne Diätdruck und gut sitzende Kompression setzt, kann gut für sich sorgen.
Impulse dafür finden Sie auch in unserem Artikel "Umgang mit der Lipödem-Diagnose".
Oder, wie Lyn es sagt: „Wir haben ein Recht darauf, dass es uns auch in dieser Lebensphase gut geht!“ ♡
LIPOELASTIC TEAM 

